pferderennen

Prix de l’Arc de Triomphe 2021

3. Oktober 2021 - 2.400 Meter, Paris-Longchamp

Vorbericht vom 17. September 2021

Das bedeutendste Pferderennen der Welt scheint in diesem Jahr so stark besetzt zu werden, wie seit Jahren nicht mehr. So wird der Arc in diesem Jahr ein außerordentlich spannendes Ereignis, denn trotz aller Qualität ist ein echter Favorit nicht auszumachen. Mit dabei ist auch der aktuelle Galopper des Jahres Torquator Tasso.

Adayar hätte unter normalen Umständen nach seinem klaren Erfolg im Epsom Derby direkt zu den heißesten Arc-Favoriten gehören müssen, doch war der Godolphin-Hengst als 17:1 Außenseiter in den Klassiker gegangen und hatte zuvor auch nur ein Maidenrennen gewinnen können. Wer an dem Frankel-Sohn gezweifelt hatte, wurde am 27. Juli in den King George Stakes eines Besseren belehrt. Der Derbysieger setzte sich mit seiner riesigen Galoppade in Ascot gegen Gegner der höchsten internationalen Klasse durch und hat nun seinen Platz an der Spitze des Arc-Wettmarkts sicher. Ein geplanter Start am 12. September im Prix Niel wurde aufgrund einer kleineren Verletzung nicht wahrgenommen, Adayar soll nun direkt in den Prix de l’Arc de Triomphe gehen. Dafür muss der Schützling von Charlie Appleby aber noch für 72.000 Euro nachgenannt werden.

Hurricane Lane, wie Adayar von Charlie Appleby für Godolphin trainiert, ist ebenfalls ein Frankel-Nachkomme und auch ihm werden sehr gute Chancen beim Arc eingeräumt. Im Epsom Derby blieb er zwar acht Längen hinter seinem Halbbruder, konnte aber bei keinem seiner sechs weiteren Starts bezwungen werden. Mit den Dante Stakes gewann er den wichtigsten Derby-Trial, Ende Juli dann das Irish Derby und nur zweieinhalb Wochen später den Grand Prix de Paris mit sechs Längen Vorsprung. Auch beim jüngsten Start am 11. September im englischen St Leger blieb Hurricane Lane im Handgalopp vor seinen Gegnern.

Tarnawa war seit Oktober 2019 ungeschlagen geblieben, bis sie am 11. September in den Irish Champion Stakes auf Rang 2 endete. Die von Dermot Weld in Irland speziell für den Prix de l’Arc de Triomphe 2021 vorbereitete Aga Khan-Stute hatte letztes Jahr den Prix Vermeille, den Prix de l'Opéra und den Breeders' Cup Turf in den USA gewonnen. Anschließend bestritt sie für neun Monate kein Rennen mehr, weshalb man ihren 2. Platz in den Irish Champion Stakes hinter St Mark's Basilica nicht überbewerten sollte, zumal die Distanz im Arc dann auch wieder 400 Meter weiter sein wird und sie bis dahin ihre Bestform erreicht haben müsste.

Snowfall machte sich am 4. Juni zur Legende, als sie die Epsom Oaks mit sechzehn Längen gewann, dem größten Vorsprung, den je eine Stute in diesem seit 1779 ausgetragenen Rennen herauslief. Es folgten zwei weitere Gruppe-I-Siege in den Irish Oaks und den Yorkshire Oaks, beide wieder mit immensem Vorsprung. Dann aber der große Dämpfer in Paris-Longchamp. Als 1.20-Favoritin startete Snowfall in den Prix Vermeille, endete klar geschlagen aber nur auf dem 2. Platz. Sicherlich könnte das äußerst langsame Tempo als Entschuldigung dienen, doch sorgt das Ergebnis natürlich für einige Zweifel. Bislang ist die Deep Impact-Tochter jedenfalls noch nie gegen männliche Pferde gelaufen und müsste wie Adayar für den Arc nachgenannt werden.

St Mark's Basilica gewann als Zweijähriger im Oktober letzten Jahres mit den Dewhurst Stakes in Newmarket sein erstes Gruppe-I-Rennen und konnte seither nicht mehr besiegt werden. Dem Triumph in den französischen 2000 Guineas (Poule d'Essai des Poulains) folgte der Gewinn des Prix du Jockey Club 2021. Und auch beim ersten Treffen mit älteren Gegnern ließ der Siyouni-Sohn nichts anbrennen, gewann Anfang Juli die Eclipse-Stakes in Sandown souverän und setzte sich zuletzt in den Irish Champion Stakes nach langem Kampf auch gegen Tarnawa durch. So müsste St Mark's Basilica eigentlich als Topfavorit für den Arc gelten, doch ist er bisher nie weiter als 2.100 Meter gelaufen und so gibt es Bedenken, ob er die Arc-Distanz stehen kann und dort vielleicht erst gar nicht antritt.

Mishriff unterlag St Mark's Basilica in den Eclipse-Stakes deutlich, was so nicht erwartet worden war. In den King George Stakes endete er knappe zwei Längen hinter Adayar, gewann dann aber am 18. August die International Stakes in York mit sechs Längen, sein erster Erfolg in der englischen Heimat. Bis dahin hatte der von John Gosden trainierte Make Believe-Sohn nur im Ausland geglänzt. Nach dem Gewinn des Prix du Jockey Club 2020 setzte er sich zu Beginn dieses Jahres auf Sand gegen die besten US-amerikanischen Pferde in dem mit 20 Millionen US-Dollar dotierten Saudi Cup 2021 durch und siegte anschließend auch auf Gras im Dubai Sheema Classic. Eine der großen Stärken von Mishriff ist seine Flexibilität. Er kommt nicht nur mit jedem Boden klar, er kann auch an der Spitze oder am Ende des Feldes gehen.

Chrono Genesis ist in diesem Jahr die große Hoffnung Japans, den Prix de l’Arc de Triomphe endlich zu gewinnen. Die fünfjährige Stute war in ihrer Heimat schon viermal in Gruppe-I-Rennen erfolgreich, gewann im Dezember das Arima Kinen 2020 und verteidigte am 27. Juni ihren Titel im Takarazuka Kinen. Bei ihrem einzigen bisherigen Auslandsstart unterlag sie im März Mishriff mit "Hals" im Dubai Sheema Classic, wurde von ihm auf der Zielgeraden aber auch mehrfach angerempelt. Die Bago-Tochter wird in Paris von dem Iren Oisin Murphy geritten werden, da sich der ständige Jockey Yuichi Kitamura verletzt hat und wird dann aus einer dreimonatigen Pause kommen.

Deep Bond ist das zweite Pferd aus Japan im Prix de l’Arc de Triomphe 2021 und kann nach seinem Start-Ziel-Sieg im Prix Foy kaum als chancenlos bezeichnet werden. Im Vorjahr hatte er in den japanischen Klassikern wenig zu bestellen, gewann in diesem Jahr aber auf schwerem Boden den Hanshin Daishoten über 3.000 Meter und wurde daraufhin als Favorit Zweiter im Tenno Sho (Spring). Beeindruckend nun sein erster Start im Ausland. Im Prix Foy blieb er auf der Rennbahn in Paris-Longchamp vor dem Grand Prix de Saint Cloud-Sieger Broome und Frankreichs Pferd mit dem höchsten Rating Skalleti. Bedenkt man, dass Deep Bond aus einer dreimonatigen Pause kam, ist ihm weitere Steigerung zuzutrauen. Sein Vater Kizuna und sein Großvater Deep Impact schafften es im Arc unter die ersten Vier.

Teona hat sich mit ihrem Sieg über Snowfall ins Spiel gebracht. Zuvor war sie gegen Snowfall in den Musidora Stakes und den Epsom Oaks ohne jegliche Chance gewesen, überraschte am 12. September nun aber mit einem unangefochtenen Sieg im Prix Vermeille. Teona besitzt auch Nennungen für den Prix de L'Opera (2.000 m) und den Prix de Royallieu (2.800 m), doch glaubt Trainer Roger Varian dass 2.400 Meter die richtige Distanz für die Sea The Stars-Tochter sind. Laut Varian mag sie weichen Boden nicht, weshalb ihr Start im Arc wohl nicht sicher ist.

Love, wie Snowfall und St Mark's Basilica von Aidan O'Brien in Irland vorbereitet, galt lange als Favoritin auf den Sieg im Arc. Zum Saisondebüt hatte sie im Juni in Ascot noch die Prince Of Wales's Stakes gewonnen, wurde in den King George Stakes hinter Adayar und Mishriff aber nur Dritte und enttäuschte anschließend auch in den International Stakes und zuletzt sogar in den Blandford Stakes, weshalb ihre Quote mittlerweile förmlich explodiert ist. Die vierjährige Galileo-Tochter, über die O'Brien gesagt hatte, sie sei vielleicht die beste Stute, die er je trainiert habe, hatte letztes Jahr nach den englischen 1000 Guineas auch die Epsom Oaks mit satten neun Längen gewonnen.

Torquator Tasso ist der deutsche Vertreter im Prix de l’Arc de Triomphe 2021. Der Adlerflug-Sohn war im letztjährigen Deutschen Derby Zweiter geworden, keine Länge hinter In Swoop, welcher anschließend bekanntlich im Arc auf den 2. Platz lief. In diesem Jahr hat Torquator Tasso den Hansa Preis in Hamburg gewonnen und am 5. September auch den Großen Preis von Baden. In Paris wird er zu den Außenseitern gehören, völlig abschreiben sollte man den aktuellen Galopper des Jahres aber nicht.


Der Prix de l’Arc de Triomphe wird seit 1920 in Paris ausgetragen und gilt als das wichtigste Galopprennen der Welt. In diesem Jahr beträgt das Preisgeld wieder fünf Millionen Euro, womit der Arc das höchstdotierte Pferderennen Europas ist. In den letzten 71 Austragungen schafften es nur drei Pferde, die älter als vier Jahre alt waren, das Rennen zu gewinnen (Star Appeal 1975, Marienbard 2002, Waldgeist 2019).


© 2012 - 2021 Copyright    Datenschutz    Impressum    begambleaware begambleaware