Prix de l’Arc de Triomphe 2022

Prix de l’Arc de Triomphe 2022

2. Oktober 2022 - 2.400 Meter, Paris-Longchamp - Boden: weich


Pl. Abst.
Alter Gewicht
Trainer Jockey Quote

1.
Alpinista  5 58,0
M.Prescott L.Morris 4,4

2. ½ Vadeni 3 56,5
J.-C.Rouget C.Soumillon 8,8

3. H Torquator Tasso 5 59,5
M.Weiß L.Dettori 9,1

4. 2 Al Hakeem 3 56,5
J.-C.Rouget C.Demuro 21,0

5. 1 ½ Grand Glory  6 58,0
G.Bietolini M.Guyon 55,0

6. 3 Westover  3 56,5
R.Beckett R.Hornby 11,0

7. kK Luxembourg 3 56,5
A.O'Brien R.Moore 5,9

8. 1 ½ Broome  6 59,5
A.O'Brien W.Lordan 87,0

9. kK Alenquer  4 59,5
W.Haggas T.Marquand  67,0

10. ½ Onesto 3 56,5
F.Chappet S.Pasquier 12,0

11. 4 Titleholder  4 59,5
T.Kuhita K.Yokoyama 10,0

12. 1 Mendocino 4 59,5
S.Steinberg R.Piechulek 34,0

13. 4 Mishriff  5 59,5
J.Gosden W.Buick 34,0

14. kK Stay Foolish 7 59,5
Y.Yahagi C.-P.Lemaire 56,0

15. 3 Mare Australis 5 59,5
A.Fabre  B.Murzabayev 60,0

16. 1 Sealiway 4 59,5
F.Graffard M.Barzalona 49,0

17. 2 Bubble Gift  4 59,5
M.Delzangles O.Peslier 56,0

18. 12 Deep Bond  5 59,5
R.Okubo  Y.Kawada 53,0

19. 6 Do Deuce 3 56,5
Y.Tomomichi Y.Take 25,0

20. ¾ Mostahdaf  4 59,5
J.Gosden J.Crowley 57,0

Vorbericht vom 29. September 2022

Dem deutschen Hengst Torquator Tasso gebührt die Ehre als Titelverteidiger in das bedeutendste Pferderennen der Welt zu gehen. Chancenlos ist er auch in diesem Jahr nicht, denn in einem sehr ausgeglichenen Feld sticht kein Gegner wirklich heraus. Mindestens der Hälfte der zwanzig Teilnehmer ist der ganz große Triumph zuzutrauen, womöglich auch erstmals einem Pferd aus Japan.

Luxembourg wird in einem ungewohnt unruhigen Wettmarkt von vielen Buchmachern als Arc-Favorit geführt, und das sicherlich nicht zu Unrecht. Der von Aidan O'Brien trainierte dreijährige Camelot-Sohn hat fünf seiner sechs Starts gewonnen und galt lange als Favorit für das Epsom-Derby, konnte dort aufgrund von Muskelproblemen aber nicht antreten. Nach überstandener Verletzung setzte er am 10. September ein deutliches Zeichen, gewann die Irish Champion Stakes vor dem Jockey Club-Gewinner Vadeni und dem Grand Prix de Paris-Sieger Onesto. Bislang ist Luxembourg allerdings nie weiter als 2.012 Meter gelaufen, weshalb unklar ist, ob er die Arc-Distanz stehen wird.

Alpinista ist eine in Deutschland bestens bekannte Stute. Sie hatte dort im letzten Jahr den Großen Preis von Bayern und den Preis von Europa gewonnen, zuvor Torquator Tasso im Großen Preis von Berlin bezwungen. Waren diese Leistungen international nicht auf allzu viel Beachtung gestoßen, avancierte die Fünfjährige in dieser Saison zu den Arc-Favoritinnen, nachdem sie den Grand Prix de Saint-Cloud und danach die Yorkshire Oaks für sich entschieden hatte. Sie ist nun seit sieben Rennen ungeschlagen und geht mit der nötigen Frische in den Prix de l’Arc de Triomphe, hat sie in diesem Jahr doch erst zwei Rennen absolviert.

Torquator Tasso unterlag Alpinista letztes Jahr im August in Berlin, begann dann aber einen nie für mögliche gehaltenen Erfolgslauf. Im September gewann er den Großen Preis von Baden, triumphierte dann im Oktober völlig überraschend als 69:1 Außenseiter im Arc 2021. Viele führten diesen sensationellen Erfolg des deutschen Hengstes vor allem auf das schwere Geläuf in Paris-Longchamp zurück, weshalb Torquator Tasso für den Prix de l’Arc de Triomphe 2022 zunächst wieder zu hohen Quoten zu haben war. Doch der fünfjährige Adlerflug-Sohn strafte seine Kritiker im Juli in Ascot Lügen. Erneut völliger Außenseiter, blieb er in den King George Stakes weit vor favorisierten Pferden wie dem Irish Derby-Sieger Westover, der Epsom Oaks-Zweiten Emily Upjohn oder dem Hardwicke Stakes-Sieger Broome, scheiterte nur an dem noch größeren Außenseiter Pyledriver. Torquator Tassos' Generalprobe misslang dann jedoch. Am 4. September schaffte er es nicht, seinen Titel im Großen Preis von Baden zu verteidigen, unterlag Mendocino mit einem Kopf. Dieses Rennen war allerdings extrem langsam gelaufen worden, was für ein Speedpferd wie Torquator Tasso alles andere als optimal ist. Er wird in Paris erneut sein bevorzugtes weiches Geläuf vorfinden.

Titleholder gehört an den Wettmärkten ebenfalls zu den Favoriten. Er gewann 2022 in Japan alle drei Starts, nach dem Tenno Sho (Spring) zuletzt auch das Takarazuka Kinen gar in neuer Rekordzeit. Dennoch wird der vierjährige Duramente-Sohn bei den Buchmachern vielleicht etwas überschätzt, denn abgesehen von seiner diesjährigen Frühform, hat er in Japan nicht viel vorzuweisen. An Weihnachten wurde er im Arima Kinen nur Fünfter, war zuvor auch im japanischen Derby ohne Chance. Der Vierjährige geht aus einer dreimonatigen Pause in den Arc, dennoch ist davon auszugehen, dass er versuchen wird sich an die Spitze des Feldes zu setzen.

Do Deuce gewann im Mai das japanische Derby in neuer Rennrekordzeit. Beim ersten Auftritt in Europa wurde er am 11. September im Prix Niel nur Vierter, allerdings war dies auch sein erster Start nach einer viermonatigen Rennpause, weshalb man im Arc eine bessere Leistung erwarten kann. Der Heart‘s Cry-Sohn wird von Japans Jockey-Legende Yutaka Take geritten. Vielleicht gelingt es ihm als erstem japanischen Pferd den Arc zu gewinnen. Japanische Pferde konnten in jüngerer Vergangenheit international für Aufsehen sorgen, gewannen mehrere Rennen beim Dubai World Cup Meeting und dem Breeders' Cup in den USA.

Onesto ist vielleicht die größte Hoffnung der Gastgeber. Der dreijährige Frankel-Sohn hatte im Mai den Prix Greffulhe gewonnen, wurde über 2.100 Meter im Prix du Jockey Club nur Fünfter, siegte dann aber im Grand Prix de Paris über 2.400 Meter in Paris-Longchamp. In den Irish Champion Stakes sah er am 10. September schon fast wie der Sieger aus, wurde von Luxembourg aber noch um eine halbe Länge niedergekämpft, landete aber vor dem Jockey Club-Sieger Vadeni.

Vadeni ist als Sieger des Prix du Jockey Club und der Eclipse-Stakes natürlich auch im Arc eine Hausnummer. Sein jüngster Auftritt in den Irish Champion Stakes, in die er als Favorit startete, war allerdings nicht gerade eine Empfehlung. Zwar wurde er keine zwei Längen hinter Luxembourg Dritter, doch hatte er letztlich mit der Entscheidung nichts zu tun und ist bisher auch nie weiter als 2.012 Meter gelaufen. Trainer Jean-Claude Rouget hatte lange ausgeschlossen, dass sein Aga Khan-Hengst im Arc antreten werde. Am Ende entschied man sich dennoch 120.000 Euro für die Nachnennung auszugeben.

Westover ist der aktuelle Irish Derby-Sieger, der zuvor im Epsom Derby, nach extrem ungünstigem Rennverlauf, den dritten Platz belegt hatte. Mit diesen Vorschusslorbeeren ging der Frankel-Nachkomme als Favorit in die erwähnten King George Stakes, landete dort aber fünfzehn Längen hinter Torquator Tasso. Als Entschuldigung wurde angeführt, er habe, zusammen mit Broome, das Rennen an der Spitze viel zu schnell gestaltet. Seit diesem Desaster hat Westover kein Rennen mehr bestritten, kommt aus einer Pause seit Ende-Juli. In Normalform wäre er als Arc-Sieger sicherlich keine Überraschung.

Sealiway wurde trotz seines zweiten Platzes im letztjährigen Prix du Jockey Club lange unterschätzt. Als großer Außenseiter konnte er im Arc auf Rang fünf überraschen und anschließend die Champions Stakes in Ascot gewinnen. In dieser Saison ließ man ihn früh im Jahr in den großen Rennen laufen, wo er aber durchweg enttäuschte. Nach einer dreimonatigen Pause wurde er am 4. September in einem Gruppe-III-Rennen nur Vierter, was seine hohen Quoten im Arc 2022 erklärt. Sollte er nach diesem Aufbaustart zu alter Form gefunden haben, kann er erneut überraschen, zumal er mit weichem Boden sehr gut zurechtkommt.

Al Hakeem, wie Vadeni von Jean-Claude Rouget trainiert, lief im Prix du Jockey Club gleichauf mit Onesto auf den vierten Platz und gewann beim einzigen anschließenden Start in Deauville den Prix Guillaume d'Ornano. Man könnte den Siyouni-Sohn also auf einer Ebene mit Onesto sehen, am Wettmarkt bekommt man für ihn jedoch weit höhere Quoten.

Mishriff kann auf keine gute Saison zurückblicken. Er startete in mehreren der bestbesetzten Rennen des Jahres, hatte aber weder in den King George Stakes noch in den Irish Champion Stakes etwas mit der Entscheidung zu tun, wurde im Saudi Cup gar Letzter, weshalb es etwas verwundet, dass man ihn überhaupt in den Arc schickt. Der mittlerweile fünfjährige Make Believe-Sohn hatte als Dreijähriger den Prix du Jockey Club 2020 gewonnen, sich einige Monate später auch im Saudi Cup 2021 und dem Dubai Sheema Classic durchgesetzt. Er gilt als vom Boden und der Position im Feld unabhängiger Hengst, muss in der derzeitigen Form aber zu den Außenseitern gezählt werden.

Mendocino gewann am 4. September überraschend den Großen Preis von Baden und wird als Bezwinger von Torquator Tasso auch im Arc Beachtung finden. In dem viel größeren Feld in Paris wird das Rennen jetzt aber deutlich schneller gelaufen werden, nicht nur deshalb wird es der von Sarah Steinberg in München trainierte Adlerflug-Sohn schwer haben. In dem ebenfalls sehr langsam gelaufenen Großen Preis von Bayern war er Ende letzten Jahres nur knapp hinter Alpinista eingelaufen.

Mare Australis passierte am 5. Juni im Grand Prix de Chantilly die Ziellinie vier Längen vor Mendocino. Der Rest der Saison verlief für den Schlenderhaner dagegen enttäuschend. Nicht nur bei seinem letzten Start, in dem von Alpinista gewonnenen Grand Prix de Saint-Cloud, war er ohne Chance. Auch er geht aus einer längeren Pause in den Prix de l’Arc de Triomphe 2022, hat seit dem 3. Juli kein Rennen mehr absolviert. Der Australia-Sohn hatte im letzten Jahr lange zu den Arc-Mitfavoriten gehört, nachdem er im Mai den Prix Ganay gewonnen hatte, musste aufgrund einer Fesselkopf-Verletzung den Rest des Jahres dann aber aussetzen. Sein französischer Trainer André Fabre hat den Prix de l’Arc de Triomphe schon achtmal gewonnen.

Deep Bond gewann im Vorjahr den Prix Foy vor Broome und Skalleti, woraufhin er mit einigen Erwartungen in den Prix de l’Arc de Triomphe geschickt wurde, dort dann aber Letzter wurde. Zurück in seiner japanischen Heimat lief er im Arima Kinen auf den zweiten Platz, zwei Längen vor Titleholder, von dem er in dieser Saison aber schon zweimla bezwungen wurde.

Stay Foolish ist der vierte Arc-Starter aus Japan und mit sieben Jahren das älteste Pferd im Feld. Der ausgewiesene Steher gewann zu Beginn des Jahres in Saudi-Arabien das Red Sea Turf Handicap über 3.000 Meter, setzte sich einen Monat später auch im Dubai Gold Cup (3.200 m) durch. Zurück in Japan war er dann jedoch weniger erfolgreich, lief im Takarazuka Kinen nur auf Rang neun. Bei seinem ersten Auftritt in Europa wurde er am 28. August Zweiter im Grand Prix de Deauville.

Grand Glory, neben Alpinista die einzige Stute im Feld, wird ebenfalls als große Außenseiterin an den Start gehen, zumal 2.400 Meter nicht ihre ideale Distanz ist, zumindest wenn man ihr schwachen Läufe im Japan Cup und Prix Vermeille als Maßstab nimmt. Die sechsjährige Stute ist eigentlich auf der 2.000-Meter-Strecke zuhause, gewann dort im Vorjahr den Prix Jean Romanet und am 1. Mai auch den Prix Allez France (Gr.3) in Paris-Longchamp.

Bubble Gift schaffte es im letzten Jahr im Arc als großer Außenseiter auf den achten Platz und wird es auch in diesem Jahr nicht einfach haben. Im Grand Prix de Saint-Cloud endete er immerhin nur zwei Längen hinter Alpinista, zuvor war er im Grand Prix de Chantilly mit dem selben Abstand hinter Mare Australis angekommen.

Alenquer ist neben Torquator Tasso und Mendocino der dritte Nachkomme von Adlerflug im Arc 2022. Der vom Gestüt Römerhof gezüchtete und von William Haggas in Newmarket trainierte Vierjährige war im letzten Jahr Neunter geworden. Zuletzt endete er in den Eclipse Stakes und den Irish Champion Stakes weit hinter den Siegern und wird in Paris erneut kaum eine Chance haben.

Broome kann ebenfalls auf die Erfahrung eines Arc-Starts verweisen, der sechsjährige Australia-Sohn wurde im letzten Jahr Elfter. Zu Beginn dieser Saison gewann er in Ascot die Hardwicke Stakes, lief bei seinen nächsten Rennen dann aber deutlich hinterher. Im August trat er in den Sword Dancer Stakes in New York an, wo er Vierter wurde.

Mostahdaf steht wie Mishriff im Stall von John Gosden. Der Frankel-Sohn dürfte sich in dieser Klasse sehr schwertun, startete er bisher doch zumeist in Gruppe-III-Rennen. Zuletzt gewann er die September Stake in Kempton auf Sandboden.


Der Prix de l’Arc de Triomphe ist mit einem Preisgeld von fünf Millionen Euro das höchstdotierte Pferderennen in Europa und gilt als das bedeutendste der Welt. In den letzten 72 Austragungen gelang es nur drei Pferden, die älter als vier Jahre alt waren, den Arc zu gewinnen (Star Appeal 1975, Marienbard 2002, Waldgeist 2019).

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